Das Schiffshebewerk Henrichenburg ist der älteste Bestandteil des sogenannten "Schleusenpark Waltrop", der aus zwei Schiffhebewerken, zwei Schleusen und einer ehemaligen Siedlung für Angestellte des Hebewerks besteht. Es wurde in der Zeit von 1894-98 erbaut und von Kaiser Wilhelm II feierlich eingeweiht und man wurde durch seine Errichtung praktisch dazu genötigt, technisches Neuland zu betreten. Die Hütten- und Stahlwerke der Region brauchten eine verkehrsünstige Anbindung an den Rhein und in besonderem Maße auch an die Nordsee, da neue metallurgische Verfahren hochwertiges ausländisches Erz benötigten, um konkurrenzfähige Produkte herzustellen. Die Lage dieses neuen Schiffhebewerks am Schnittpunkt Rhein-Herne und Dortmund-Ems-Kanal war dafür wie geschaffen.
Zunächst plante man ein neues Schleusensystem, das den Schiffen helfen sollte, die 14m hohe Geländestufe zu überbrücken. Doch diese Lösung scheiterte an dem zu großen Wasserverlust des Dortmund-Ems-Kanal (kein natürlicher Zufluss), der bei Inbetriebnahme weiterer Schleusen unvermeidlich gewesen wäre. Darüber hinaus schlugen auch die Kosten für das dafür benötigte aufwendige Pumpsystem enorm zu Buche, sodass man sich für die Hebewerktechnik entschied.
Die Hebewerkvorrichtung funktionierte nach dem Prinzip des Auftriebs:
Die Schiffe fuhren in den Hebewerktrog ein, der mit einer Länge von 68m, einer Breite von 8,6m und einer Tiefe von 2,5m den Maßen eines Dortmund-Ems-"Normalkahns" entsprach. Der Trog war auf fünf mit Luft gefüllten Schwimmern gelagert, die ihrerseits wiederum in wassergefüllten Brunnen standen und in diese eintauchten. Das Schiff verdrängte im Trog die Menge an Wasser, die seinem Gewicht entsprach; so war es also irrelevant, ob sich ein Schiff im Trog befand oder nicht, der Trog hatte beständig das selbe Gewicht. Der eigentliche Hebe- oder Senkvorgang wurde dann durch Änderung der Wasserspiegel in den Brunnen vorgenommen und dauerte inklusive Ein- und Ausfahrt des Schiffes 2 x 12,5 min. Das reichlich verzierte Stahlfachwerkgerüst mit seinen vier imposanten Türmen diente dabei als Führungsgerüst.
Bis zur Stilllegung 1970 funktionierte das Schiffshebewerk ohne Einschränkungen und wurde 1979 aufgrund vehementen Einsatzes eines Waltroper Heimatgeschichte-Vereins unter Denkmalschutz gestellt. Die Restaurierung, die 1982 begann, ließ das technisch und optisch interessante Bauwerk noch einmal -zwar funktionslos- in altem Glanz erstrahlen, so dass es 1992 im Rahmen des Westfälischen Industriemuseums wiedereröffnet werden konnte.